Der 1973 geborene, zwischen den Genres changierende und entlang der klassischen Musik arbeitende Mathias Traxler legt im Gans Verlag „Gedichte, Konzertstücke und Songs“ vor – der daraus entstandene Band Restaurant & Orchestre Touché ist eine Wonne der assoziativen Dichtung.

Mathias Traxlers Texte atmen eine Unmittelbarkeit – zuletzt hat er das in der Parasitenpresse (Variationen Montale Reihe i-iv) unter Beweis gestellt, in dem kluge Sätze stehen wie „Der Wind, von dem das Gedicht spricht, wäre also der Leser, und die Worte wären das, was beim Lesen mitleuchtet.“ Solcherart Denkbewegungen finden sich auch in seinem neuen Band, der, zunächst einmal auf der strukturellen Ebene, in 13 (Prosa-)Gedichte und einen längeren, vordergründig sich als längere Erzählung ausgebenden Teil unter dem Titel „Abendschönheit“ unterteilt ist.

„Heute, Mittag, hing mir ein Stück Hirn in den Mund“: Mit einer schockierenden Direktheit setzt der erste Teil („den Titel sag ich nicht“) ein, um sich dann auf hyperrealistische Detailbeobachtungen aus dem lyrischen Ich-Alltag auszuweiten. Das lässt sich beliebig auszugsweise zitieren, in seiner Gänze entfaltet sich aber die sinnlich überschießende Reihe an Ideen, Empfindungen und Aussprüchen in den Texten nur über die Lektüre.

Dann geht es aber erst richtig los: Die Erzähl-Einheit „Abendschönheit“ beginnt mit einer einer Wanderung zu einer Wahrsagerin, fächert sodann ein irres Setting in einem Kaufhaus-Studio mit einem Architekten und seinem Sohn und einem Schiffsabenteuer auf einem freilich im Hafen vertäuten Boot auf, in dem man sich aufs Schönste verlieren kann.

Für Erhellung in letzter Minute, sozusagen, sorgen einige abschließende „Randnotate“, die den Hintergrund des soeben Gelesenen zumindest ein wenig erklären (wenn sie das denn müssen): Handelt es sich doch um frei assoziierte, vor dem Hintergrund einiger klassischer Musikbeispiele (vor allem Mozart) vorgetragene Sprechtexte, die wiederum aufgenommen und transkribiert das vorliegende Material bilden.

Da kann Hugo Ball, der auch als Background-Schleife benannt wird, gut und gerne Pate stehen: Herausgekommen ist ein im besten Sinne sinnbefreites, beglückendes Sprechen, das Mathias Traxler hier darbietet. Große Empfehlung!

Mathias Traxler: Restaurant & Orchestre Touché. Gedichte, Konzertstücke, Songs. Gans Verlag, 90 Seiten, 22 €

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